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Konstanz, du kannst so schön sein.

Nach Hause mit dem Zug. Die Bahn, ein mehr oder weniger zuverlässiges Verkehrsmittel, mit dem unterschiedlichste Menschen von einem Ort zum anderen gelangen. Die Begrüßung am Anfang der Fahrt, ist mal freundlich mal eher gequält und auswendig gelernt. Überwiegend Menschen eines doch etwas höheren Alters machen es sich in den blau karierten Sitzen bequem. Oh neben mir sitz eine Lehrerin, die Klassenarbeiten korrigiert und nebenher die Aussicht auf den Bodensee genießt. Wahrscheinlich ist das gar keine schlechte Idee. Die Noten werden im Zweifel besser ausfallen, als bei der Korrektur in einem dunklen Kellerbüro im Einfamilienhaus. Die etwas jüngeren Fahrgäste, führen alle samt Rucksäcke oder auffällige Uni Bib Taschen mit sich. Also fahren sie entweder zur erschwinglicheren Wohnung etwas außerhalb von Konstanz, da sie sich die typischen Studentenwohnungen in Konstanz nicht leisten können oder keine Lust haben, wie ich, 4 Jobs anzunehmen, um einigermaßen über die Runden zu kommen und in einer völlig überhitzten Dachgeschosswohnung, aber in Konstanz, zu wohnen. Oder sie fahren von der Schule, zwar auch Außerhalb, aber zum Seegrundstück der Eltern, wo sie sich dann auf die Terrasse mit direktem Zugang zum See setzten werden und ihre Hausaufgaben erledigen um später mal, wie Mama und Papa, erfolgreiche Anwälte in einer Großkanzlei zu werden und nicht wie ich aus einer "Arbeiterfamilie" entspringen und sich durch das Jurastudium regelrecht kämpfen müssen, um irgendwann mit dem geradeso bestandenen Examen bei irgendeiner Versicherung die Behandlungskostenübernahmeanträge kopieren müssen. Wer glücklicher ist, lässt sich aus dieser Abfolge nicht ziehen. Wenn man sich mal überlegt, wie viele Mensch täglich mit dem Zug fahren und die Leistungen - ich sagen bewusst nicht Serviceleistungen, denn die Bahn versteht nichts von angemessenem Kundenservice - der Bahn in Anspruch nehmen, gibt es sicher viel zu entdecken und zu beobachten während solch einer Zugfahrt. Aber ich bin müde. Müde im Herzen und in der Seele.
2.9.14 17:08


Berlin, du kannst so schön sein.

Donnerstag Abend. Berlin Neukölln. Maybachufer. Boule Platz. Frank, mein Vermieter, hat mich gefragt ob ich mitkommen möchte. Mit einem Neuköllner über den noch relativ unbekannten Kiez zu schlendern, ist das beste was dir passieren kann. So lernt man nicht nur den angestrebten Zielort kennen, sondern wird auch über so manchen Laden auf dem Weg aufgeklärt. Der Boule Platz ist gut besucht, jung und alt, Student und Akademiker, Obdachlose und solche, die nach welchen aussehen, ältere Herren die für einen Abend Freigang bekommen haben und unscheinbare Menschen, wie ich, spielen hier zusammen und trinken Bier. Das erste was mir auffällt an diesem Abend ist, dass hier zwar jeder zweite kifft, was nicht leicht zu überriechen ist, aber keiner, wie es bei uns im Süden Deutschlands bei den jungen Menschen leider so üblich ist, ständig auf sein Handy schaut, sich dadurch völlig aus dem Geschehen zieht und in seiner Whats-App-Facekook-Welt lebt. Klingelt das Handy, wird erstens nicht ein Smartphone aus den Tasche gezogen, sondern ein altes Tastenhandy und zweitens wird es kurzerhand stillgelegt und ignoriert. Es zählt der soziale Kontakt, nicht in der Virtuellen Welt, sondern im wahren Leben. Mir werden zwei Engländer vorgestellt, einer der beiden heißt Nick und nimmt sich meiner an. Sein Deutsch ist gut, er lebt seit 6 Jahren in Berlin und hat gerade seinen Job gekündigt, will aber nochmal studieren und hier seinen Master machen. Für diese Jungs besteht Deutschland nur aus Berlin, andere Städte kennen oder mögen sie nicht. Eines teile ich mit ihnen, wir lieben die Berliner Luft. Das aus dem Flugzeug, dem Bus oder Zug steigen und einen Schwall voller Dunst, etwas vergammeltem Wasser, Zigaretten, Alkohol, Abgasen und Müll aber auch klaren und reinen Geruch von Freiheit in die Nase zu ziehen. Es macht mich glücklich. Und die Engländer mögen, dass es hier nicht so viel regnet. Nach zwei Flens bin ich müde und gehe heim. Meine Lunge kratzt von den ganzen Zigaretten und mein Hintern schmerz vom vielen sitzen auf dem harten Stein. Ein bisschen Musik vor dem schlafen gehen, ein letzter Blick in den Himmel, dann schlafe ich friedlich ein.
2.9.14 16:58


Berlin, du kannst so schön sein.

So schnell geht es, nach fast drei Monaten sitze ich wieder in diesem - auf diesem - wunderlichen Klunkerkranich. Neben mir steht sogar ein "Kranich". Sie haben ihm eine Kette mit Perlen umgehängt. Leicht gebeugt senkt er seinen Kopf und lässt sich, wie die anderen sonnenverrückten Menschen, die kräftigen Strahlen der Sonne auf den Hals scheinen. Wettertechnisch ein toller Tag, wohl der letzte in diesem "Sommer". Das letzte mal als ich Berliner Luft geschnuppert habe, hat es nach Frühling, ja schon fast nach Sommer, gerochen. Jetzt spüre ich bei einem tiefen Atemzug die Sprossen der gedeihenden bunten Blätter der Bäume. Ein letzter kleiner Hauch von Wärme und Gemütlichkeit, wird bald durch den Kamin im Wohnzimmer ersetzt. Das Buchenholz ist dann das Brennmittel, das knistert und zum verweilen einlädt. Im Freien werden es die Heizstrahler sein, die die nervigen Raucher vor den Kneipen und Clubs warm halten sollen. Es schaudert mich, wenn ich nur daran denke. Noch ein letztes mal die natürliche Wärme spüren und aufsaugen, dass sie mich durch den Winter trägt. Doch eines kann nicht einmal die Sonne erwärmen. Das Innere. Die Seele und das Herz eines Menschen. Das ganze Jahr von innen frieren, vor Kälte erstarren. Einen Menschen zu finden, der diese Starrheit zum schmelzen bringt, ist wahrhaftig nicht leicht, quasi eine Lebensaufgabe. Das Streben, nach Wärme, innerer Wärme, momentan eine schier vergebene Suche, ohne Aussicht auf Erfolg. Fehlgehen jeglicher Bemühungen lässt einen an sich selber zweifeln. Das Zittern um einen der begehrten Plätze, in der ersten Reihe, derjenigen, die den Menschen gefunden haben, der das Buchenholz im Herzen entflammt, beginnt. Finden ist die eine Sache, ihn dann aber auch davon zu überzeugen, dass er das fehlende Streichholz ist um die Flammen lodern zu lassen ist, die andere.
2.9.14 16:55


Berlin, du kannst so schön sein.

Mein erster Morgen in Berlin, im August. Kaum aufgewacht, der erste Schock: ich hab keinen Föhn dabei und mein Vermieter hat keine Haare. Einziger Ausweg, los geh´n und Haartrockner kaufen. Die neuköllner Arkaden sind immer wieder einen Besuch wert, nicht nur um sich auf´m Kranich die Sonne aufs Haupt schein zu lassen. Reger Verkehr im Kaufland, morgens um 9. Zweiter Schock an diesem Morgen, die Lebkuchen Abteilung wurde ich vorweihnachtlicher Stimmung eröffnet, eine Türkin ist es, die sich beherzt eine große Packung schnappt und samt ihrem Weißbrotleib und einer Schachtel Gauloises an die Kasse eilt, weil der Mann und die Kinder wohl schon am Frühstückstisch warten und die August Überraschung herbeisehnen. Gegenüber der Lebkuchen Ecke werde ich fündig, Reisehaartrockner für 7.99 Euro mit 3 Jahren Garantie. Sogar an der Kasse macht mich der nette Kassierer nochmals darauf aufmerksam, dass ich doch drei Jahre Garantie hätte und somit den Kassenzettel dringend aufbewahren solle. Bevor ich mir einen neuen Föhn kaufe, werde ich auch sicher wieder nach Berlin fahren um mir die 7.99 Euro wieder zurück zu holen! Voller Freude über den neuen Heißlufthaartrockner und einem Becher heißen Café in der Hand, geht es zurück in die Hobrechtstraße across the Karl-Marx-Str. Dritter Schock, aber kleinster Schock an diesem Morgen, ein Kleinwagen versucht auf die stark befahrene Straße aufzufahren, hupt und blickt mit vollem Elan. Schreie ertönen, eine Italienerin, sichtlich hochschwanger, brüllt porca puttana! und schiebt ihren Körper auf dem kleinen Sitz hin und her. Ob sie es noch rechtzeitig geschafft haben?
2.9.14 16:51


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